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  • Vier Ebenen – oder Coaching, das nicht flach wie eine Flunder bleibt

    Vier Ebenen – oder Coaching, das nicht flach wie eine Flunder bleibt

    Neulich bin ich über einen Satz gestolpert, der mir nicht mehr aus dem Kopf ging: Coaching, das den Organisationskontext nicht mitdenkt, bleibt „eine flache Veranstaltung“.
    Flach wie eine Flunder. Örks!

    Ich hab genickt. Und dann kurz gestutzt – denn „den Organisationskontext mitdenken“ klingt in meinen Ohren gefährlich nach einer einzigen zusätzlichen Frage im Erstgespräch: „Und, wie tickt eure Unternehmenskultur so?“ Notiert, genickt, weiter im Text. Fertig ist die Tiefe. Oder?

    Nein, finde ich. Du kennst das vielleicht schon von meiner Startseite: Veränderung klingelt selten höflich an der Vordertür, und wir suchen gemeinsam passende Türen in vermeintlichen Wänden. Was mir bei diesem Satz aufgefallen ist: „Der Organisationskontext“ ist eher ein ganzes Gebäude als nur eine Wand mit einer Tür – auf, kurz reingeschaut, aha, wieder zu, fertig. Das Gebäude hat – mit Referenz auf Kriz und seine Personzentrierte Systemtheorie – mindestens vier Stockwerke. Und wer nur an der Haustür klingelt, hat vom Rest des Hauses noch nichts gesehen.

    Das Haus mit den vier Stockwerken

    Mein Coachingkonzept baut auf der Personzentrierten Systemtheorie von Jürgen Kriz auf. Die unterscheidet die schon erwähnten (mindestens) vier Ebenen, die in jedem Anliegen mitschwingen:

    • Organismus – Dein Körper. Energie, Anspannung, Schlaf. Das Fundament, im wörtlichen Sinn.
    • Psyche – Deine innere Welt. Sinn, Selbstbild, die leisen Zweifel um drei Uhr nachts.
    • Interaktion – Deine Beziehungen. Zum Team, zur Führungskraft, im Konflikt.
    • Umwelt – der große Rahmen. Organisation, Kultur, Markt – das Viertel, in dem das Haus steht.
    Konzentrisches Vier-Ebenen-Modell: Organismus, Psyche, Interaktion, Umwelt nach der Personzentrierten Systemtheorie von Jürgen Kriz
    Die vier Ebenen der Personzentrierten Systemtheorie (Kriz): Organismus, Psyche, Interaktion, Umwelt – sie wirken gleichzeitig, nicht nacheinander.

    Und ganz ehrlich? Vier Stockwerke bzw. vier Ebenen sind eine angemessene Vereinfachung von dem, was in unserem komplexen Umfeld in der Regel so los ist, also eine angemessene Mindestausstattung, kein in Stein gemeißelter Bauplan. Kriz selbst spricht von den „zentralen vier Ebenen“ – lässt aber ausdrücklich Raum für weitere Stockwerke, je nachdem, wie das jeweilige Haus gebaut ist: Auch Team, Kleingruppe oder Familie können als eigene interpersonelle Strukturen noch mit reinspielen (vgl. Kriz, 2017, S. 134f.). Heißt: Manchmal hat das Haus noch einen Anbau, von dem man vorher gar nichts wusste.

    Ein Beispiel aus der Praxis

    Eine Führungskraft zögert bei einer anstehenden Beförderung. Klingt erstmal nach einem Organisationsthema – „die Kultur hier belohnt Sichtbarkeit, nicht Leistung.“ Stimmt vielleicht. Aber das ist nur das Viertel. Im Haus selbst: seit Wochen schlechter Schlaf (Organismus), die leise Frage „bin ich das eigentlich wert?“ (Psyche), eine Führungsbeziehung ohne echtes Feedback (Interaktion). Erst als alle vier Stockwerke auf dem Tisch lagen, wurde klar, wo der Hebel wirklich liegt – und, Überraschung, es war nicht das Viertel.

    Was das im Coaching konkret bedeutet

    Für mich heißt „Organisationskontext mitdenken“ deshalb: das Haus erkunden bzw. im Blick haben, nicht nur an der Haustür klingeln. Mit dem Ziel, der Komplexität möglichst gerecht zu werden, in der wir uns in der Regel bewegen.

    Tiefe entsteht – nach meiner Erfahrung – dadurch, dass wir bewusst erkunden, in welchem „Stockwerk“ wir gerade vorrangig unterwegs sind – und uns erlauben, den Blick auch über dieses eine Stockwerk hinaus zu denken, oder eben alternativ gerade nicht überall so ein bisschen zu sein, sondern mal konkret in einer Ebene.

    Wo würdest Du Dein aktuelles Thema gerade verorten – Erdgeschoss, ein Stock höher, oder eher das Viertel drumrum? Und was heißt das für den Kontext, wenn Du in mehr als diesem „Stockwerk“ denkst? Dann wird es spannend. Dann entstehen neue Perspektiven und damit in der Regel auch Handlungsmöglichkeiten.

    Mit veränderungsbegegnenden Grüßen
    Kim


    Anstoß für diesen Text war ein Satz des Coachingforschers Thomas Bachmann (mS-Extraheft „Mit Coaching durch die Krise“, managerSeminare Heft 340, Juli 2026): „Gutes Coaching denkt den Organisationskontext immer mit … ansonsten bleibt es eine flache Veranstaltung.“ Das Haus mit den vier Stockwerken ist meine eigene, auf der Personzentrierten Systemtheorie nach Jürgen Kriz aufbauende Zuspitzung.

  • Der Zauber des Anfangs, ein erster Schritt

    Der Zauber des Anfangs, ein erster Schritt

    … und wie es ist, die eigene Medizin zu nehmen – gegen den Hang zum Perfektionismus … ach was, Perfektionismus… nur noch das und noch ein bisschen mehr dies…und dann noch etwas das… und dort noch eine Idee und… und… und.

    Was ist das Minimum, das eine Website braucht, damit sie überhaupt Sinn macht, neben Impressum und Datenschutz-Dingsi?

    Eine grobe Idee zu: „Wer“ macht da „Was“, „Worum geht´s, gern erstmal ohne Details“.Klingt einfacher als es ist. Und vor allem: Es dann auch damit gut sein zu lassen- für mich ist das schon eine Herausforderung, ich komme ja trotzdem gern – wie schon angedeutet – vom Hölzchen auf´s Stöckchen…

    Aber mit der ersten Iteration ist es schön weit weg von „perfekt“, aber für jetzt einmal „Gut, und gut genug!“ – ein echtes MVP sozusagen: Erstmal etwas zum anfassen, anfangen, ausprobieren, lernen und dann auch zum weiter ausbauen.

    Mit veränderungsbegegnenden Grüßen
    Kim